Kürzlich noch sah man ihn auf dem Jubiläumsfest eines Kollegen – wie immer gut gelaunt, kommunikativ und lebenslustig. Nun ist er für immer von uns gegangen. Die Schwimmbadbranche trauert um Reiner Lietz, einen Poolexperten, der viel mehr konnte, als außergewöhnliche und individuelle Wasseroasen zu kreieren.

Innovator, Netzwerker und Macher
Er war Innovator, Netzwerker und einer, der Menschen zusammen gebracht hat. Er hat den Wirtschaftszweig Wasser & Wellness maßgeblich mitgestaltet, geprägt und weiterentwickelt. Und er hat trotz seines Erfolgs und seiner vielen Promi-Kunden nie diejenigen vergessen, denen es nicht so gut geht. Erst vor einigen Wochen konnte man ihn noch im örtlichen Radio hören. Da hat er Werbung für seine Aktion Seepferdchen gemacht, eine Initiative, die er mit weiteren Partnern auf den Weg gebracht hat, und die es Kindern aus finanziell schwachen Elternhäusern ermöglicht, Schwimmen zu lernen. Dieses Projekt hat er so ins Leben gerufen, wie er war: Problem erkannt, Lösung gesucht, gehandelt und gelöst. Und eben nicht lange geredet oder gar gefragt, was für ihn dabei rausspringt.

Jahrzehntelanges Ehrenamt für die Branche
Das war ihm überhaupt nicht wichtig. Reiner ging es stets um die Sache. In Erinnerung bleibt sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement für den bsw – sowohl in Vorstand und Präsidium als auch im Technischen Beirat. Aber auch jenseits aller Gremien war er immer einer, der da war, wenn jemand gebraucht wurde. Richtlinie überarbeiten? Merkblatt erstellen? Verbandsstrategie neu ausrichten? Kooperationen in die Wege leiten? Öffentlichkeitsarbeit stärken? Neue Mitglieder werben? Partner unterstützen? Egal, worum es ging, mit Reiner konnte man immer rechnen. Und natürlich mit seinem Humor, seiner unkomplizierten Art und seiner „Hands-on-Mentalität“.
50 Jahre Erfahrung, Pragmatismus, Kollegialität & Menschlichkeit – und immer neue Ideen
Reiner war ein „Urgestein“ der Branche. Bereits im Jahre 1976 fing er an, Schwimmbäder zu planen und zu bauen. Der Geschäftsführer des Schwimmbadbau-Fachbetriebes Kühling & Hauers aus Isernhagen war neben seinen vielfältigen Aufgaben beim Branchenverband zudem öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schwimmbadtechnik und Aufsichtsratsmitglied der sopra AG. Sein Rat und seine Expertise waren überall gefragt, aber vor allem auch sein Pragmatismus, seine positive Grundhaltung, seine Kollegialität, Fairness und Menschlichkeit. Trotz seiner langen Erfahrung gehörte er keineswegs zum „alten Eisen“. Im Gegenteil. Er überzeugte mit zukunftsfähigen Ideen und neuen Ansätzen. Das galt sowohl für den Schwimmbadbau, wo er beispielsweise das erste Becken der Branche ganz aus Glas konzipiert hat, als auch für sein unternehmerisches Handeln.

Gemeinsam stark – das war sein Motto
„Gemeinsam kann man mehr erreichen“ – das war sein Motto, das nicht nur sein Wirken beim bsw und der sopra erklärt. Es erklärt auch, warum er beispielsweise mit der iks wellness ein branchenübergreifendes Netzwerk gegründet hat – mit Experten für Dämm- und Malerarbeiten, Möbel und Fassaden, Stuck- und Illusionsmalerei, Fliesen- und Naturstein sowie Steuerungs- und Elektrotechnik. Schließlich wollte er seinen Kunden immer „alles aus einer Hand“ und den bestmöglichen Service bieten. Schon vor Jahren sagte er mal: „Kunden von heute wollen nur einen Ansprechpartner, der ihren Traum vom Pool verwirklicht. Sie haben keine Lust, unterschiedliche Gewerke zu koordinieren. Und das müssen sie auch nicht.“ Diese Aussage wird auch über seinen Tod hinaus wahr bleiben – und diese Überzeugung motivierte ihn schon vor langer Zeit, die DSB, die Deutsche Schwimmbadbau Interessengemeinschaft, zu schaffen.

Feuer & Flamme fürs Produkt Schwimmbad
Dass es um die Gruppe einige Jahre etwas ruhiger geworden war, war für Reiner und seine Mitstreiter kein Grund, nicht nochmal einen neuen Anlauf zu starten. Mit frischem Wind und einer Fokussierung auf Neubau und Sanierungen von Hotel- und Mehrfamilienbädern gab es auf der vergangenen Aquanale einen „Re-Start“. Man hatte den Eindruck, Reiner hätte ewig so weitermachen können. Während andere sich irgendwann aus dem Geschäft zurückziehen, war Reiner auch nach 50 Jahren im Schwimmbadgeschäft immer noch Feuer und Flamme für das Produkt Pool und für die vielen Pool-People. Ein Leben für die Poolbranche – so könnte man Reiners nennen.

Preise & Patente
Internationale Preise – darunter der einmalig verliehene Millenium-Sonderpreis der Interbad, der Innovationspreis Golden Wave sowie der „Schwimmbad-Oscar“ bsw-Award – und zwei Patente sind nur einige Beispiele seines außergewöhnlichen Könnens und seiner Hingabe zu Qualität und Präzision. Er selbst hätte jetzt gesagt, das sei eine Teamleistung. So war es bestimmt auch, aber Reiner war eine treibende Kraft und ein wesentlicher Bestandteil des Teams. Er hatte Details im Blick, und er gab sich nicht mit technischen Gegebenheiten zufrieden, weil sie „immer schon so waren“. Ein Beweis: Der praktisch selbstreinigende Wasserspeicher self-clean, den er zusammen mit KWS erfunden hat.
Reiner – immer gern gesehen
Fachlich top – das war er. Aber er war eben auch ein toller Mensch, der half, wenn Hilfe gebraucht wurde, und der immer ein gern gesehener und gut gelaunter Gast war. Als der PR- und Marketingausschuss mal zufällig in Hannover tagte, kam er vorbei, nur, um allen „Hallo“ zu sagen. Und dann verschwand er auch wieder, so plötzlich, wie er erschienen war. Er wollte sich nicht so in den Mittelpunkt drängen. Die Aktion war typisch Reiner.
Reiner hat seine Branchen-Gen vererbt – einmal familiär, denn sein Sohn Felix ist mittlerweile bsw-Vorstand und Mitglied im PR- und Marketingausschuss – und einmal „firmenintern“, denn sein Kompagnon Frank Thiemig arbeitet sowohl im Verbandspräsidium als auch im Technischen Beirat mit.
Wir sind sehr traurig, die Pool-Legende Reiner zu verlieren. Sein vielfältiges Engagement und seine außergewöhnlich positive und menschliche Art werden unvergessen bleiben und den Wirtschaftszweig weiter prägen. Unser Mitgefühlt gilt seiner Familie und seinen Freuden.



