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Technik

Private Pools: Europäische Norm kommt

Die europäische Schwimmbadbranche für privat genutzte Pools steht nach meiner Einschätzung in knapp drei Jahren vor einer ganz großen Herausforderung.

Dann gelten europaweit zum ersten Mal einheitliche Normen für den Bau, die Produktqualitäten und das Betreiben privater Schwimmbadanlagen. Tausende Unternehmen sind dann gefordert, sich mit den Vorgaben dieser Regelwerke auseinanderzusetzen. Natürlich werden sich viele Bestandteile der heutigen Technik und ihrer Handhabung in den neuen Normen wiederfinden, gleichwohl wird ein gewaltiger Kommunikations- und Informationsprozess in der Branche auch in Deutschland stattfinden.

Denn schon jetzt zeigt sich, daß die unterschiedlichen Beckenkonstruktionen, die Verfahrenstechniken der Wasseraufbereitung, die geplanten Testmethoden aber auch die Vielzahl der eingesetzten Produkt- und Wertstoffe Eingang in ein sehr umfangreiches und komplexes Regelwerk finden werden. Hinzu kommt, dass sich die Normeninhalte mit unterschiedlicher Gewichtung an mehrere Zielgruppen gleichzeitig wenden werden: Hersteller, Schwimmbadbau-Fachunternehmen und Endkunden.

Nach meiner Einschätzung sind die Initiatoren des Normungsprozesses selbst von der Komplexität der zu behandelnen Thematik überrascht.

Der bsw hat sich bereits heute darauf eingestellt, seine Mitgliedsunternehmen mit unterschiedlichsten Aktivitäten so früh wie möglich auf den neuen Wissensstand zu bringen.

Doch nun zum Hintergrund des laufenden neuen Normungsprozesses für privat genutzte Schwimmbäder:

bsw-Experten aus den Mitgliedsunternehmen als auch die bsw-Geschäftsstelle waren für die Branche schon immer in der nationalen wie internationalen Normungsarbeit aktiv. Sowohl bei der DIN 19643 als auch bei den beiden europäischen Normen EN 15288 und EN 13451 bringen sie seit vielen Jahren in den entsprechenden Gremien ihren Sachverstand ein. Zielgruppe der zuvor genannten Normen sind ausschließlich öffentliche Bäderanlagen.

Seit gut zwei Jahren stehen nun auch privat genutzte Schwimmbadanlagen auf der Tagesordnung der internationalen Normungsarbeit. Auf Initiative des französischen Branchenverbandes „Fédération des Professionnels de la Piscine“ (FPP) wurde hierzu im Jahr 2009 beim Comité Europeen de Normalisation – in Fachkreisen auch kurz CEN genannt – ein neues sogenanntes Technisches Comitee (TC) mit der Nummer 402 gegründet. Beteiligt waren dabei nicht nur die jeweiligen nationalen Normungsgremien sondern auch Schwimmbadexperten aus 13 europäischen Ländern. Erfreulicherweise haben sich auch für diesen neuen Normungsprozess wieder zahlreiche Experten aus den bsw-Mitgliedsunternehmen für eine aktive Mitarbeit entschieden. Hierzu hatte ich mit meiner Kollegin Ute Wanschura allerdings eine umfassende Informationskampagne bei unseren Mitgliedsunternehmen durchgeführt.

Während dieses zuvor erwähnte TC 402 wie eine Art Holding den Normungsprozess begleitet, wird die eigentliche Arbeit in sogenannten „Working Groups“ (WG) geleistet.

Hierzu verständigten sich die Teilnehmer auch auf unsere deutsche Initiative beim Start auf die Einrichtung von zwei sogenannten Working Groups. Die WG 1 trägt den Arbeitstitel „Pool structure – design, product and installation“. Den Vorsitz dieser Arbeitsgruppe hat Dominique Degas (Laboratoires Pourquery) aus Frankreich. Das Sekretariat stellt das französische Normungsinstitut Afnor in Paris. Die WG 2 trägt den Arbeitstitel „Pool water – circulation, filtration and treatment“. Den Vorsitz dieser Arbeitsgruppe hat Frank Eisele (WWS-Eisele UGmbH) aus Deutschland übernommen. Schwimmbadexperte Eisele ist zugleich auch Vorsitzender des Technischen Beirates im bsw. Das Sekretariat stellt das Deutsche Institut für Normung e.V. (DIN) in Berlin.

Beide Arbeitsgruppen sind international besetzt und erarbeiten Entwurfstexte in englischer Sprache für die geplanten Normen. Die nationale Kommentierung, Ergänzung und Korrektur dieser Arbeitsdokumente leistet in Deutschland ein eigens beim DIN in Berlin gegründetes sogenanntes „Spiegel-Komitee“ NA 112-05-02 AA „Arbeitsausschuss privat genutzte Schwimmbadanlagen und -geräte“.

Hier stellen erfreulicherweise Experten aus bsw-Unternehmen die Mehrheit der Teilnehmer.

Was sich bis hierin sehr strukturiert und reibungslos liest, war in Wirklichkeit für uns in der bsw-Geschäftstelle eine immense Herausforderung. Es galt zum einen sich mit den umfangreichen Spielregeln internationaler Normungsarbeit zu beschäftigen.

Zudem mussten größere Etatumschichtungen vorgenommen werden, denn allein den bsw kostet der Normungsprozess Jahr für Jahr rund 20.000 Euro. Der größte Brocken ist dabei die Finanzierung des Sekretariats der WG1 beim DIN in Berlin. Hinzu kommen Reisekosten zu den entsprechen Meetings in Europa.

Ebenso war internationale Lobby-Arbeit gefragt. Nur mit viel diplomatischen Geschick war es möglich, die Leitung der WG 2 und damit eine ganz wichtige Schaltstelle für Deutschland durchzusetzen.

Seit 2010 haben beide Working Groups nunmehr in fast zehn mehrtägigen Sitzungen in Berlin, Brüssel, Paris und Barcelona die ersten schon recht umfangreichen Normungsinhalte erarbeitet. Hinzu kommen drei Meetings des deutschen Spiegel-Komitees. Als Teilnehmer an allen Sitzungen kann ich allerdings berichten, dass dies  insbesondere bei den international besetzten Working Groups nicht immer ein einvernehmliches Unterfangen war. Ohne ins Detail zu gehen, sei verraten, dass es doch zu vielen Themen erst einmal national sehr unterschiedliche Auffassungen zu moderieren galt.

Alle Sitzungsergebnisse, nachträglich eingereichte Kommentare und Ausarbeitungen der Teilnehmer der drei Gremien ( WG 1, WG 2 und deutsches Spiegel-Komitee) sowie  ergänzende Fachinformationen werden in speziellen Internetportalen – nummerisch und chronologisch sortiert –  archiviert. Mit einem speziellen Pass- und Kennwort können nur die Teilnehmer dieses Normungsprozesses im TC 402 auf diese sogenannten “Livelinks” darauf zugreifen. Fast 200 Dokumente sind bislang dort niedergelegt.  Ich gebe zu, dass es auch mir nur mit großem Zeitaufwand und äußerster Konzentration gelingt, immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Dies gilt insbesondere für die Tage vor den Meetings, in denen immer unzählige neue Dokumente und Kommentare aus den beteiligten Ländern eingestellt werden.

Um das fachliche Engagement aber auch den Zeitaufwand der bsw-Experten, die im Übrigen ihre Mitarbeit ehrenamtlich für die gesamte Branche leisten und zudem ihre Reisekosten selber tragen, würdigen zu können, empfehle ich einen Blick in das folgende kurze Video, das exemplarisch einen Einblick in die Dokumentensammlung der WG1 gibt.

Alle bsw-Experten, die sich bei der nationalen und internationalen Normungsarbeit auch im Interesse ihrer Kolleginnen und Kollegen engagieren, finden sich im Anhang des bsw-Geschäftsberichtes 2011.

 

 

 

 

 

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